Überzogene Kritik an Energiesparlampen

taz vom 01.10.2008

VON BERNWARD JANZING FREIBURG taz  Ist der Einsatz von Energiesparlampen der reine Humbug? Die Zeitschrift Öko-Test stellt in ihrer Oktober-Ausgabe eine Untersuchung vor, nach der Energiesparlampen "viel weniger Energie sparen sollen, als die Hersteller behaupten. Auch gingen die Lampen "viel zu schnell kaputt und seien letztendlich "kein wirklicher Fortschritt und keine echte Alternative zu Glühlampen". Schaut man sich jedoch die Testergebnisse im Detail an, relativiert sich schnell, was hier so schlagzeilenträchtig schlechtgeredet wird. Zum Beispiel, was die Haltbarkeit betrifft: Im Test sind Lampen dabei, die in dieser Kategorie das Prädikat "sehr gut" erhalten, da sie den Dauertest schadlos überstanden haben. Andere Lampen freilich, die zum Teil für Preise unter 1 Euro zu kaufen sind, machten ziemlich schnell schlapp. Auch in der Rubrik Helligkeit wurden mehrere Produkte mit "sehr gut" oder "gut" getestet – also ist auch hier die generelle Kritik an der Lichtausbeute nicht haltbar. Rainer Grießhammer vom Freiburger Öko-Institut hält Energiesparlampen daher auch nach den Öko-Test-Untersuchungen weiterhin für eine ökologisch sinnvolle und preiswertere Alternative zur klassischen Glühbirne. Er moniert an den Untersuchungen von Öko-Test, dass die Zeitschrift sich "bevorzugt schlechte Produkte herausgesucht" habe. Im Projekt EcoTopTen (www.ecotopten.de) hat das Öko-Institut hingegen die besten Energiesparlampen zusammengestellt und greift dabei auch auf Daten der Stiftung Warentest zurück. So hält das Institut weiterhin daran fest, dass Energiesparlampen "Energieeffizienzmeister" seien, weil sie rund 80 Prozent weniger Strom verbrauchten als konventionelle Glühlampen. Nach den Öko-Test-Erhebungen sollte man freilich hinzufügen: sofern es gute Energiesparlampen sind. Und zur immer wieder aufkommenden Kritik an Energiesparlampen wegen ihres Quecksilber-Gehaltes, rechnet Grießhammer vor: Selbst wenn alles Quecksilber aller verkauften Lampen in die Umwelt gelänge, sei das immer noch weniger als die Mengen, die durch den eingesparten Strom vermieden würden. Dazu muss man wissen: Bei der Verbrennung von Kohle werden erhebliche Mengen Quecksilber frei. Nur scheinbar spektakulär ist übrigens eine weitere Aussage, mit der Öko-Test an die Öffentlichkeit geht: Selbst die Hersteller von Energiesparlampen gäben "hinter vorgehaltener Hand zu, dass es sich lediglich um eine Übergangstechnologie handelt". Doch diese Information ist alles andere als neu: Energiesparlampen sind definitiv eine Übergangstechnologie. Denn die LED, die Leuchtdiode, wird sich in den nächsten Jahren immer mehr durchsetzen. Erste Praxisbeispiele gibt es bereits: Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf hat bereits die erste Straßenbeleuchtung auf LED-Technik umgestellt. Gegenüber konventioneller Beleuchtung hat die LED Vorteile. Zum einen braucht sie extrem wenig Strom. Gemessen an einer klassischen Glühbirne liegt die Einsparung bei rund 85 Prozent. Zudem ist ihre Lebensdauer von 100.000 Stunden unschlagbar hoch. Inzwischen gibt es die LED sogar schon als Strahler mit gewöhnlichem Gewinde. Sie ist aber teurer als heutige Energiesparlampen. Das wird sich mit steigenden Produktionsmengen sicher ändern, doch bis dahin dürften noch Jahre vergehen.

Deutsche Energieagentur 30.09.2008

Energiesparlampen lohnen sich – Verbraucher sollen auf Qualität achten

Berlin (ots) – Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) empfiehlt, beim Kauf von Energiesparlampen auf Qualität zu achten. Im Vergleich zu herkömmlichen Glühlampen verbrauchen gute Energiesparlampen bis zu 80 Prozent weniger Strom und sparen bares Geld. Damit widerspricht die dena jüngsten Meldungen, die aufgrund einer Untersuchung der Zeitschrift "Öko-Test" die Vorteile von Energiesparlampen in Frage stellen. "Energiesparlampen lohnen sich", kommentierte dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. "Die hochwertigen Produkte geben angenehmes Licht und senken die Stromkosten deutlich. Wer anderes behauptet, verunsichert die Verbraucher in unverantwortlicher Weise. In ein paar Jahren wird es keine Glühlampen mehr geben, weil sie die EU-Vorschriften für Energieeffizienz nicht einhalten können." Zur Beurteilung der Qualität sind die Angaben zur Energieeffizienz auf der Verpackung wichtig. Lampen werden in verschiedene Energieeffizienz-Klassen unterteilt: von "A" (sehr effizient) bis "G" (ineffizient). Energiesparlampen gehören zur Energieeffizienzklasse A oder B. Glühlampen rangieren in der Regel in der Klasse D. Weitere Qualitätskritierien für Energiesparlampen sind die Lebensdauer und die Schaltfestigkeit. Die Lebensdauer sollte 10.000 bis 15.000 Stunden betragen. Die Schaltfestigkeit wird durch eine Vorheizfunktion erhöht. In der Produktbeschreibung wird diese auch "Warmstart" oder "preheating" genannt. Ungewohnt ist für viele, dass Energiesparlampen, anders als Glühlampen, ihre volle Helligkeit mit Verzögerung erreichen, da sie erst ihre optimale Betriebstemperatur erreichen müssen. Die Lichtfarbe der Lampen kann nach Geschmack und Bedarf ausgewählt werden. Die dena empfiehlt für Wohnräume "warmweiß" oder "extra warmweiß"; für Arbeitsplätze ist auch "tagweiß" geeignet. Weitere Informationen rund um das Thema Stromeffizienz im Haushalt unter www.stromeffizienz.de oder bei der kostenlosen Energie-Hotline: 08000 736 734. Pressekontakt: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), Dr. Philipp Prein, Chausseestraße 128a, 10115 Berlin Tel: +49 (0)30 72 61 65-641, Fax: +49 (0)30 72 61 65-699, E-Mail: presse@dena.de, Internet: www.dena.de

Ökotest wegen der Energiesparlampe in der Kritik

Von Ingo Leipner,01.10.2008

Möglichst viel Fahrrad fahren, Biogemüse essen – und Energiesparlampen in die Fassung schrauben. So schien bis heute die ökologische Welt in Ordnung zu sein … Doch jetzt hat „Öko-Test“ Energiesparlampen unter die Lupe genommen – mit einem vernichtenden Urteil, das die Hersteller auf die Barrikaden treibt. „Energiesparlampen sind kein wirklicher Fortschritt und keine echte Alternative zu Glühlampen“, schreibt „Öko-Test“ in seiner Oktober-Ausgabe. Und Chefredakteur Jürgen Stellpflug stellt fest: „Wir sind nur für Öko, wenn das Sinn macht.“ Mittlerweile regt sich immer mehr Kritik an dem Vorgehen von Ökotest. Das Testmagazin untersuchte die Leistungsfähigkeit, die Lebensdauer und Einsparpotenziale bei Energie. Aber auch gesundheitliche Wirkungen wurden getestet. Dazu kaufte „Öko-Test“ 16 unterschiedliche warm-weiße Energiesparlampen (10 bis 12 Watt). Sie ersetzten jeweils eine 60-Watt-Glühbirne – „alle mit E27 Schraubsockel, und zwar sowohl die klassische Röhren- wie auch die Birnenform“, wie Anna Mai für „Öko-Test“ schreibt. Zum Vergleich zogen die Tester eine Glühbirne mit 60 Watt heran, sowie eine Halogenlampe mit 42 Watt. Das Resümee: „Knapp ein Drittel der Energiesparlampen war bestenfalls ‚befriedigend’, der Rest schlechter, und vier Modelle sind sogar richtige Flops, weil beide Testexemplare frühzeitig ausfielen.“ In demselben Heft stellt „Öko-Test“ Wolfgang Maes als „Experten des Monats“ vor, der als „Öko-Test-Berater zum Thema Elektrosmog“ auch die Energiesparlampen geprüft hat. Mit einem Ergebnis, das bei Maes zu erwarten war: Schon in einem Beitrag für „Wohnung + Gesundheit“ listet der Baubiologe auf, welche Nachteile aus seiner Sicht Energiesparlampen haben (Heft 124, 2007): o Starke elektromagnetische Felder o Nervende Lichtflimmerfrequenzen o Schlechtes Lichtspektrum o Herstellung ökologisch kritisch o Giftiges Quecksilber, deshalb Entsorgung auf Sondermüll o Lichtleistung lässt im Laufe der Gebrauchszeit nach o Lebensdauer lässt mit der Zahl der Ein-/Ausschaltungen nach o Die Energiesparlampe ist teuer Maes Fazit: „Alle diese Negativmerkmale zeigt die Glühlampe nicht.“ Ein Jahr später zitiert ihn „Öko-Test“, wenn es um Elektrosmog bei Energiesparlampen geht: „Diese intensiveren, härteren und Oberwellen- wie störreichen Felder über ein so weites Frequenzspektrum machen die Energiesparlampen zu einer erheblich schlechteren, verzerrten, schmutzigen Lichtquelle und zur Elektrosmogbelastung.“ Bleibt die Frage: Warum lässt „Öko-Test“ Energiesparlampen von einem Experten testen, dessen Meinung vorher schon feststeht? Stichwort Elektrosmog: Laut „Öko-Test“ sind die elektrischen Wechselfelder „bei Energiesparlampen viel stärker als bei Glühbirnen“. In einem Abstand von 30 Zentimetern werden deutlich höhere Werte gemessen, als die TCO-Zertifizierung für strahlungsarme Bildschirme festlegt: „Damit ist die Energiesparlampe etwa am Arbeitsplatz überhaupt nicht geeignet.“ Eine Argumentation, die Christoph Seidel vom Energiesparlampen-Hersteller „Megaman“ nicht nachvollziehen kann. „Bei den Bildschirmen wurden die Abschirmungsmaßnahmen extrem ausgebaut“, sagt Seidel. Die Werte der TCO seien kein geeigneter „Vergleichsmaßstab“, weil sie nur für Bildschirme gültig sind. Stichwort Energieeinsparung: Bis zu 80 Prozent sollen Energiesparlampen gegenüber einer Glühbirne Energie sparen – „Öko-Test“ hat eine spezielle Versuchsanordnung gewählt, um diese Behauptung zu prüfen. Der Grund: Übliche Berechnungen berücksichtigen nicht, „dass die Sparlampen meist weniger hell sind als die Glühbirnen und während der Lebensdauer auch noch an Helligkeit nachlassen.“ Diese Faktoren wurden einbezogen – mit dem Ergebnis: „Die Mehrheit bringt es nur auf 50 bis 70 Prozent Energieeinsparung.“ Christoph Seidel von „Megaman“ sieht das anders: „Diese Versuchsanordnung ist nur für die gewählte Situation tauglich und nicht generalisierbar.“ Eine andere Beleuchtungssituation würde zu „völlig anderen Ergebnissen führen“, zumal „Öko-Test“ sich nicht an Normen gehalten habe. So kritisiert auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) die Auswahl der Messmethoden: Es habe keine Normprüfung mit einer Messkugel gegeben, wie sie sonst üblich ist. Kritisch steht auch Dr. Dietlinde Quack vom Öko-Institut den „Öko-Test“-Ergebnissen gegenüber: Sie sieht „kein objektives Urteil“, die Untersuchung habe methodische Mängel. „Es waren einige sehr billige Lampen dabei“, sagt die Wissenschaftlerin, „im Text wird nur auf die Schlechten abgehoben.“ Dabei habe es auch sehr gute Testergebnisse gegeben. Dr. Quack: „Eine seriöse Verbraucherinformation zeigt die gesamte Bandbreite von guten und schlechten Produkten auf.“ Vor allem braucht ein Leser Hinweise, „wie man gute Energiesparlampen kaufen kann“. Natürlich ließen sich diese Lampen nicht überall nutzen. „Aber es gibt auch sinnvolle Anwendungen“, so Dr. Quack. Damit bleibt das Öko-Institut bei seiner Position: Energiesparlampen seien immer noch eine ökologisch sinnvolle Alternative, die auch preiswerter ist als klassische Glühbirnen. Selbst wenn „Öko-Test“ jetzt das „Ende einer Erfolgsgeschichte“ einläutet …

Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie kritisiert Verunsicherung der KonsumentInnen

Wien (pts/02.10.2008) – Als abstrus und wissenschaftlich haltlos kritisierte heute Dr. Manfred Müllner, stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbandes der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), immer wieder auftauchende Mythen über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Energiesparlampen: "Es ist umso ärgerlicher, dass bei den KonsumentInnen unbegründete Ängste geschürt werden, da Energiesparlampen in Wahrheit auf einer für den Menschen sicheren Technologie beruhen und in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Schonung unserer Umwelt leisten werden. Allein in Österreich könnte bei einem sinnvollen Umstieg der Privathaushalte auf Energiesparlampen der CO2-Ausstoß um 1 Million Tonnen reduziert werden. Die KonsumentInnen sollen wissen und können darauf vertrauen, dass es keine Bedenken gegen den Umstieg von herkömmlichen Glühbirnen auf stromsparende Energiesparlampen gibt", stellte Müllner klar und fasste anschließend den Wissensstand zu den Themen "bläuliches Licht", "Quecksilber" und "elektromagnetische Felder" bei Energiesparlampen zusammen. Angst vor Schädigung des Auges durch bläuliches Licht unbegründet Im Farbspektrum von Energiesparlampen sind auch geringe Mengen an ultraviolettem Licht enthalten. Es besteht jedoch keinerlei Gefahr, denn das bläuliche Licht, die UV-Komponente, ist um ein Vielfaches geringer als das UV-Licht, das in Tageslicht enthalten ist. An einem durchschnittlichen Sommertag ist man einer 80.000fach höheren UV-Strahlung vom Tageslicht ausgesetzt, als sie von normalen Energiesparlampen ausgeht. Energiesparlampen schädigen weder das Auge noch stellen sie ein Risiko für die Netzhaut dar. Im Übrigen werden Energiesparlampen inzwischen standardmäßig in der Farbtemperatur "warmweiß" erzeugt. Dieses Licht von niedrigerer Farbtemperatur wird als angenehmer empfunden und ist auch eine Entlastung für photosensitive Augen. Energiesparlampen reduzieren Quecksilberausstoß Quecksilber ist das Leuchtmittel einer Energiesparlampe, also jener Stoff, der von den Elektronen zum Leuchten gebracht wird. Die Technologieentwicklungen der letzten Jahre stellen sicher, dass nur mehr sehr geringen Mengen an Quecksilber, rund 2 Milligramm, in einer Energiesparlampe verwendet werden. Das gesamte Quecksilber bleibt bis zur fachgerechten Entsorgung und Verwertung in der Energiesparlampe, denn es kann vor, in und nach Betrieb nicht entweichen. Würde das passieren, könnte die Energiesparlampe aufgrund des fehlenden Leuchtmittels nach kurzer Zeit nicht mehr leuchten. Selbst wenn eine Lampe versehentlich zerbricht, ist die enthaltene Quecksilbermenge so gering, dass sie für Menschen unbedenklich ist. Im Übrigen werden bei der konventionellen Stromerzeugung durch die Verbrennung von Kohle weit größere Mengen an Quecksilber freigesetzt. Somit helfen Energiesparlampen auch Quecksilber zu sparen. Da sie 80 % weniger Strom brauchen, können 80 % Quecksilber bei der Stromerzeugung durch kalorische Kraftwerke eingespart werden. Elektromagnetische Felder wie bei Glühbirnen Elektromagnetische Felder gehören für Menschen in Industrieländern zum täglichen Leben. Wie jedes Gerät, das mit Strom funktioniert, haben auch Energiesparlampen elektromagnetische Felder. Sie bewegen sich allerdings im Rahmen der Felder herkömmlicher Glühbirnen. Das zeigt eine im Auftrag des schweizerischen Bundesamts für Gesundheit und des Bundesamts für Energie durchgeführte Studie. Zum Schutz vor elektromagnetischen Feldern gibt es außerdem international anerkannte Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO und der International Radiation Protection Agency. Diese Grenzwerte werden auch von Energiesparlampen um ein Vielfaches unterschritten. Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) vertritt in Österreich die Interessen von rund 300 Unternehmen mit knapp 63.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von mehr als 12 Milliarden Euro (Stand 2007). Gemeinsam mit seinen Netzwerkpartnern – dazu gehören u.a. die Fachhochschule Technikum Wien, das Forum Mobilkommunikation (FMK), ICT Austria, das UFH, das Umweltforum Starterbatterien (UFS), der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) und der Verband der Bahnindustrie (bahnindustrie.at) – ist es das oberstes Ziel des FEEI, die Position der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie im weltweit geführten Standortwettbewerb zu stärken. (Ende) Aussender: Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie Ansprechpartner: Mag. Thomas Faast Email: faast@feei.at Tel.: 01/588 39-44

GEA Energiewochen: Lichtgestalt oder Ökofunzel?

VON ANDREA GLITZ

TÜBINGEN. Beim Reindrehen der Energiesparlampe sind Sparfüchse und Öko-Bewegte – sonst nicht immer kompatibel – seit über zwei Jahrzehnten schon friedlich vereint. Das freut nicht nur die Lampenhersteller. Allerdings grassiert bei vielen Menschen auch Unbehagen über die Lichtqualität der kompakten Leuchtstofflampen.

Für Aufruhr sorgte nun Ende September ein Artikel in der Zeitschrift »Öko-Test«, die den Sparlampen erheblich am Image kratzt: Stromersparnis und Lichtausbeute seien teils nicht so hoch wie angegeben. Einer der 16 Probanden verbrauchte nach Angaben der Tester sogar 14 Prozent mehr Strom als eine konventionelle Glühlampe.

Auch im Hinblick auf die Lichtqualität fiel das Urteil der Tester mies aus. Was entsprechend Sensiblen nicht nur mangelndes Wohlgefühl beschwert: Laut »Öko-Test« warnen immer mehr »kritische Wissenschaftler und Ärzte vor den gesundheitlichen Gefahren und Auswirkungen schlechten Lichts«. Sie reichen angeblich von Kopfschmerzen, Schwindel über neurologische Störungen und Hormonprobleme bis hin zu erhöhtem Krebsrisiko.

»Eine Energiesparlampe für drei Euro kann nichts taugen«

Jetzt stehen die Öko-Tester unter Beschuss aus allen Richtungen. Der reicht von der Lampenindustrie, die gute Geschäfte mit den oft teuren Sparlampen macht, bis hin zu den Umweltbesorgten, denen die kleine Leuchtstofflampe Lichtgestalt ist: eine bequeme Art, die Welt und das ökologische Gewissen wenigstens ein bisschen zu retten. Gemäß dem Slogan eines bedeutenden deutschen Lampenherstellers: »Wenn Sie eine von unseren energieeffizienten Lampen nutzen, dann können Sie sich zu Recht als Umweltschützer fühlen. Ein gutes Gefühl!«

Gar nicht gut fühlt sich der im »Öko-Test« genannte Baubiologe Wolfgang Maes. »Er wird zugeschüttet mit Drohungen der Hersteller. Und die sind nicht zimperlich«, verrät ein Ingenieur aus der Region, der selbst an den Untersuchungen beteiligt war. Der hiesige Experte möchte unter anderem deshalb nicht namentlich in der Presse auftauchen, wünscht sich aber, »dass die Dinge ohne Aufregung betrachtet werden, auch wenn sich die Kritik gegen den Mainstream wendet«.

Im Tübinger Umweltzentrum ärgert sich derweil Dr. Manuel Haus über den »Öko-Test«-Artikel. »Vieles darin ist gar nicht als »Ergebnis« zu bezeichnen«, wettert der diplomierte Biochemiker, »sondern gibt nur eine Meinung wieder, für die es keine Belege gibt.« Das von den Öko-Testern unter anderem als möglicherweise gesundheitsbeeinträchtigend ausgemachte Flimmern der Energiesparlampen beispielsweise ist kein Alleinstellungsmerkmal. »Glühlampen flimmern auch.« Und zwar laut Manuel Haus dreimal mehr als Energiesparlampen – sofern diese ein elektronisches Vorschaltgerät haben. Anders sieht es bei Sparlampen mit elektro-mechanischem Vorschaltgerät aus: Sie flackern tatsächlich deutlich mehr als Glühbirnen.

Für die an den Untersuchungen beteiligten Baubiologen hat der Umweltberater kein gutes Wort, und auch die Mediziner, die sich zur schwer zu fassenden Materie äußern, sind Haus suspekt: »Da wird massiv unwissenschaftlich vorgegangen. Mediziner tendieren dazu unwissenschaftlich zu sein, weil sie keine Wissenschaft haben.«

Die aus dem kritischen Bericht resultierende Verunsicherung missfällt dem Tübinger Umweltberater: »Man darf die Leute nicht verrückt machen.« Er erinnert daran, dass die Psyche manchen Menschen einen Streich spielt, wenn sie Angst haben – etwa vor Elektrosmog: »Es gab schon Leute, die fühlten sich durch einen Mobilfunkmast beeinträchtigt, obwohl die Anlage noch gar nicht eingeschaltet war.«

Auch die greifbareren Ergebnisse der Tester zweifelt Haus an. Dass eine Energiesparlampe im Test sogar mehr Strom verbraucht haben soll als eine konventionelle Glühlampe, kann er nicht nachvollziehen. »Die haben viele Schrottlampen getestet«, behauptet Haus, der daran erinnert, dass »Stiftung Warentest« im Februar etliche Energiesparleuchten mit »gut« getestet hat. Diese Diskrepanz veranlasst »Stiftung-Warentest«-Chefredakteur Hubertus Primus übrigens, im aktuellen Heft mit einem gepfefferten Editorial zu antworten, im dem er »Öko-Test« unter anderem »Horrorszenario« und Panikmache« vorwirft.

Umweltberater Manuel Haus lebt unterdessen daheim seit Jahren von Energiesparlampen beleuchtet (»Die älteste hängt seit 18 Jahren im Klo«) und hat keine Probleme damit. Er achtet beim Einkauf nicht nur auf die Lichtstärke, sondern auch auf die Farbtemperatur. Wer’s beispielsweise eher gemütlich mag, solle zu einer Packung greifen, auf der »warmweiß« oder »827« steht. Die »8« steht für die Qualität der Farbwiedergabe. Die »27« bedeutet 2700 Kelvin und bezeichnet die Farbtemperatur. Sie wird als umso wärmer empfunden, je niedriger sie ist. Energiespar-Tageslichtlampen etwa haben 5500 Kelvin. Die Farbtemperatur der konventionellen Glühlampen liegt zwischen 2300 und 3000 Kelvin.

»Ökotest verbreitet Meinungen, für die es keine Belege gibt«

Manuel Haus rät, Lampen im Laden ausprobieren und nicht zu sparen: »Eine Energiesparlampe für drei Euro kann nichts taugen«, weiß er. Lohnend seien Leuchten mit Vorheizung. »Die halten besser und haben eine bessere Schaltfähigkeit.«

Haus gibt zu, dass die Angaben zur Lichtausbeute geschönt werden. Die angegebenen 11 Watt auf der Energiesparlampenverpackung entsprächen nicht immer der 60-Watt-Glühlampe, sondern eher nur 50 Watt. Er empfiehlt deshalb, gerade zum Lesen eine 13- oder 15-Watt-Sparleuchte reinzudrehen.

Zu relativieren ist die Kritik am zu hohen Blaulichtanteil in den Energiesparlampen. »Im normalen Tageslicht ist der Blauanteil höher«, weiß Haus. Das Licht aus guten Zeiten gänzlich simulieren kann allerdings auch die hochwertigste moderne Energiesparlampe nicht: Sie hat anders als die Glühbirne kein kontinuierliches Farbspektrum, sondern spendet zusammengesetztes Licht.

Über Wohlempfinden lässt sich streiten. Leute, die gewohnt seien, mit Energiesparleuchten zu leben, sagen etwas anderes als Sparlampen-Verächter, weiß Haus. »Da sind natürlich sehr viele subjektive Geschichten dabei.«

Manuel Haus jedenfalls baut weiter auf die Energiesparlampe. »Aber wenn’s einer nicht abkann, soll er’s lassen.« Ein generelles Verbot der konventionellen Glühlampen hält er aber nicht für sinnvoll. Anderswo werden die Sparlampen schon staatlich verordnet. Nach dem zuvor nicht gerade durch herausragendes Umweltengagement aufgefallenen Australien hat nun auch Neuseeland angekündigt, per Gesetz auf Sparbeleuchtung umschalten.

Auch in Deutschland könnte das Ende der Glühbirne nahen. Wenn es nach dem Willen der Europäischen Kommission geht, schon 2009. Das Sparpotenzial zumindest in den privaten Haushalten ist überschaubar: Nur gut 1,5 Prozent des Energieverbrauchs – inklusive Heizung – gehen laut Bundesumweltministerium aufs Konto der Beleuchtung. (GEA)

 

 

Die Erde aus der Luft.