EU will nur noch Energiesparlampen

EU will nur noch Energiesparlampen

07.02.2008 | 18:21 | Von unserer Korrespondentin REGINA PÖLL (Die Presse)

Ob zu Hause, im Amt oder im Büro: Die herkömmlichen Glühbirnen sollen ab 2009 vom Markt verschwinden.

BRÜSSEL. Die EU-Kommission macht ernst mit ihren Energiespar-Plänen. Sie möchte, dass ab Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres in allen Büros und Verwaltungsgebäuden, auf allen Straßen und in allen Haushalten nur noch Energiesparlampen brennen. Die oberste Verwaltungsbehörde Europas wolle – soweit dies eben möglich ist – selbst mit gutem Beispiel vorangehen, hieß es am Donnerstag in Brüssel. Die Kommissare wissen allerdings, dass eine Umstellung von sogenannten Hochenergie-Glühbirnen auf energiesparende Birnen an vielen Stellen nur schrittweise gelingen wird.

„Selbstverständlich kann jeder seine Glühbirnen weiterverwenden, bis sie verbraucht sind“, erklärte Ferran Tarradellas Espuny, Sprecher von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs, der „Presse“. Wenn diese ausgebrannt sind, solle man auf dem Markt aber nur noch Birnen bekommen, die höhere Standards erfüllen. 2009 soll nach dem EU-Plan die Umstellung greifen – jedenfalls bei Lampen, die in Büros und in öffentlichen Gebäuden sowie in der Straßenbeleuchtung verwendet werden. Tarradellas Espuny meint: „Ein Bürgermeister wird für seine Straßenzüge dann gern die energiesparenden Lampen wählen.“ Übergangsfristen für die Hersteller sind dem Vernehmen nach dennoch möglich und längst nicht vom Verhandlungstisch.

Für private Haushalte kann man sich in der Kommission überhaupt längere Fristen vorstellen, bis nur noch Sparlampen angeboten und gekauft werden, welche die höheren Standards erfüllen.

Boom für Hersteller

Bis Juni dieses Jahres will die EU-Kommission mit Interessenvertretern und den 27 EU-Staaten darüber verhandeln, welche Standards künftig gelten sollen. Dazu sollen Experten im Auftrag der Verwaltungsbehörde auch auswerten, welche Produkte derzeit erhältlich sind und nachgefragt werden, so Tarradellas Espuny. Teile der Wirtschaft jubeln – vor allem jene Unternehmen, die bereits Sparlampen herstellen. Für sie winken zusätzliche Aufträge in Milliardenhöhe. Die Öko-Bewegung heißt die EU-Initiative für mehr Energieeffizienz dem Vernehmen nach grundsätzlich gut.

Nach der Konsultation von Interessenvertretungen und Mitgliedstaaten wird die Kommission voraussichtlich noch im Juni über die neue Vorschrift für energiesparende Glühbirnen entscheiden. „Was nicht heißt, dass schon ab Juli überall nur Energiesparlampen brennen“, so Tarradellas Espuny. Geplanter Start ist Ende 2008 oder Anfang 2009. Die Vorschrift könnte außerdem nur eine Richtlinie und keine Verordnung sein. Damit würde die EU ihren Mitgliedern ein Ziel – wie ein Minus beim Energieverbrauch – oder eine Frist vorschreiben. Die Umsetzung bleibt aber dem einzelnen Land überlassen. Das gibt Spielraum.

Auf Linie mit „Energiepaket“

Mit einer Einigung zwischen den EU-Staaten wird in Brüssel aber fix gerechnet. Immerhin haben sich die Staats- und Regierungschefs im Vorjahr grundsätzlich auf ein ehrgeiziges „Energiepaket“ verständigt, das die Kommission im Jänner dieses Jahres präzisiert hat. Demnach müssen die Mitgliedsländer bis 2020 minus 20 Prozent beim CO-Ausstoß, einen Anteil der erneuerbaren Energien von 20 Prozent am Energiemix sowie 20 Prozent mehr Energieeffizienz erreichen. Außer durch Glühbirnen kann die Effizienz zum Beispiel im Haushalt durch energiesparende Kühlschränke oder mehr Wärmedämmung gesteigert werden.

Eine Energiesparlampe verbraucht zwischen 75 und 80 Prozent weniger Energie als eine herkömmliche Glühlampe. Ähnlich wie bei Leuchtstoffröhren wird das Licht nicht durch einen glühenden Draht, sondern durch eine Gasfüllung erzeugt. Energiesparlampen haben außerdem eine längere Lebensdauer: zwischen 4000 und mehr als 19.000 Stunden. Herkömmliche Lampen müssen bereits nach durchschnittlich 1000 Stunden ersetzt werden.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 08.02.2008)

Die Erde vereist.